Pressemitteilung des LSVD vom 18. August 2008:
"Aktionsplan gegen Homophobie gefordert
Anschlag auf Homosexuellendenkmal ernst nehmen
Zur heutigen Protestkundgebung gegen den Anschlag auf das Berliner Homosexuellen-Denkmal erklärt Günter Dworek, Sprecher des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD).
Der Anschlag auf das Homosexuellen-Denkmal macht deutlich: Gesellschaft und Politik müssen sich stärker mit Homosexuellenfeindlichkeit auseinandersetzen.
Das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen soll die Erinnerung an das Unrecht wachhalten: Die Erinnerung an zehntausende Strafprozesse gegen schwule Männer, Erinnerung an Zuchthaus, an die Schrecken der Konzentrationslager, an Folter, an grauenvolle pseudomedizinische Versuche, an Zwangskastrationen, an tausendfaches Morden.
Aus dem Anschlag gegen das Denkmal spricht blanker Hass. Wer einen Gedenkort für gefolterte und ermordete Menschen angreift, will sie nochmals symbolisch auslöschen. Das ist zutiefst menschenverachtend. Jede Attacke auf einen Gedenkort für NS-Opfer ist einfach nur widerlich.
Laut Beschluss des Bundestages soll das Denkmal auch für die heutige Zeit ein „beständiges Zeichen gegen Intoleranz, Feindseligkeit und Ausgrenzung gegenüber Schwulen und Lesben setzen." Der Anschlag zeigt deutlich: Intoleranz und Feindseligkeit sind immer noch am Werk. Auch in einer demokratischen Gesellschaft gibt es Menschen, die es nicht ertragen können, wenn sich zwei Männer küssen.
Das erleben Lesben und Schwule auch immer wieder im Alltag. Ein Kuss im öffentlichen Raum kann auch heute noch Gefahr bedeuten. Gewalttätern reicht oft allein der Anblick eines gleichgeschlechtlichen Paares, um brutal zuzuschlagen. Ein Drittel der Deutschen findet es laut einer Erhebung von 2007 eklig, wenn sich Homosexuelle küssen. Die im Denkmal gezeigte Kussszene trifft offenbar ins Schwarze.
Berlin hat in den vergangenen Wochen eine Gewaltserie gegen Schwule und Lesben erlebt. Es ist dringend notwendig, die gesellschaftlichen Anstrengungen gegen Homosexuellenfeindlichkeit deutlich zu verstärken: in Schule und Jugendarbeit, in der Integrationspolitik, bei der Gewaltprävention. Antihomosexuelle Gewalt muss endlich auf allen politischen Ebenen ernst genommen werden.
Wir brauchen einen nationalen Aktionsplan gegen Homophobie. Praktizierte Homophobie schränkt die Entfaltungsmöglichkeiten von lesbischen Bürgerinnen und schwulen Bürgern empfindlich ein. Das kann ein demokratisches Gemeinwesen nicht hinnehmen."
Das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen ist eine Gedenkstätte am Berliner Tiergarten, die am 27. Mai 2008 eingeweiht wurde. Das von dem dänisch-norwegischen Künstlerduo Michael Elmgreen und Ingar Dragset entworfene Denkmal ist ein 3,60 Meter hoher und 1,90 Meter breiter Steinquader, in dem ein Fenster eingelassen durch das ein kurzer Film mit zwei einander küssenden Männern zu sehen ist. Die Errichtung des Denkmals wurde im Zuge der Diskussion über die Gestaltung des Denkmals für die ermordeten Juden Europas im Jahr 2003 vom Deutschen Bundestag beschlossen.
Am Denkmal befindet sich eine Gedenktafel in deutscher und englischer Sprache, die auch an das Fortdauern der Verfolgungen in der Bundesrepublik und der DDR erinnert.
Knapp drei Monate nach dem Eröffnungszeremoniell empörte ein Anschlag auf das Denkmal die Öffentlichkeit. Unbekannte hatten am frühen Morgen des 17. August das Sichtfenster zerschlagen, durch das die Kuss-Szene zu erkennen war. Politiker aller Parteien sahen in dem Anschlag einen Beleg für eine steigende Gewaltbereitschaft gegen Homosexuelle. Am darauffolgenden Tag fand vor dem Denkmal eine Protestkundgebung mit einer Ansprache des Regierenden Bürgermeisters statt.
Der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland e.V. (LSVD) ist mit über 3.000 Einzelmitgliedern und 70 Mitgliedsorganisationen die größte Bürgerrechts- und Selbsthilfeorganisation von Lesben und Schwulen in Deutschland. Er ist mittlerweile in fast allen Bundesländern vertreten. Außerdem ist der Verband als Nichtregierungsorganisation mit offiziellem Beraterstatus bei den Vereinten Nationen anerkannt.
Lesben und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) ("Lesbian and Gay Federation" in Germany) is the largest civil rights organisation of homosexuals in Germany.
The association was founded in 1990 as gay association in the GDR by former opposition acitivists against the communist government. After the reunification, civil rights activists joined them.
The organisation became known throughout Germany for its campaign for gay marriage in 1992.
The organisation has a welfare branch, is working with ILGA on international human rights issues and had a lot of success in supporting equal rights for homosexuals and legal acknowledgement of same sex partnerships.
http://www.lsvd.de/
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